Wasserkraftwerk
FERTIGSTELLUNG,
INBETRIEBNAHME
ROHR-
TURBINEN
DURCHGEHENDE STROM-
ERZEUGUNG
STROM AUS
WASSERKRAFT
IM QUARTIER
STROMERZEUGUNG AUS WASSERKRAFT IM HERZEN DES WELTKULTURERBES
Am linken Regnitzarm in Bamberg befinden sich vis-à-vis des Alten Rathauses die Oberen Mühlen. Was auf den ersten Blick kaum zu erkennen ist: In sechs bis sieben Metern Tiefe wird dort die Strömungsenergie der Regnitz zur Stromerzeugung genutzt. Die erzeugte Strommenge entspricht rechnerisch dem Jahresverbrauch von rund 1.000 Zwei-Personen-Haushalten.
In Bamberg nahmen wir Anfang der 1980er-Jahre eines der baulich ungewöhnlichsten und technisch modernsten Flusswasserkraftwerke Europas in Betrieb. Denn aus Denkmalschutzgründen mussten wir das Kraftwerk fast unsichtbar unter der Wasseroberfläche errichten. 2014 erfolgte nach drei quasi störungsfreien sowie in ökonomischer wie ökologischer Hinsicht erfolgreichen Jahrzehnten die Modernisierung der Anlage.
Weitere Informationen
Joseph-Stiftung
Hans-Birkmayr-Straße 65
96050 Bamberg
Telefon 0951 9144-0
www.wasserkraft-bayern.de
Projekt im Detail
Historisches Ensemble
Seit dem 12. Jahrhundert nutzten die Bamberger die Wasserkraft der Regnitz. Mühlen wurden betrieben und prägten die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt. In den Mühlen wurde nicht nur Getreide gemahlen, sondern auch Öl gepresst und Eichenrinde zu Gerberlohe zerkleinert. Außerdem wurden Steine geschliffen und Tuche gewalkt. Durch Brände und Hochwasser wurden die Mühlen mehrfach zerstört, jedoch immer wieder aufgebaut. Ende der 1970er-Jahre übernahm die Joseph-Stiftung die Oberen Mühlen im Rahmen eines Sanierungsprojekts. Sie richtete in fünf Gebäuden ein Studentenwohnheim ein. „Das schönst gelegene der ganzen Republik“, schrieb damals die Süddeutsche Zeitung. Zudem entstanden mitten im Fluss ein Hotel und ein Restaurant. Fast unsichtbar unter der Wasseroberfläche ging 1983 eine Besonderheit in Betrieb: ein Unterflurwasserkraftwerk. Die Anlage nutzt die Strömungsenergie der Regnitz zur Stromerzeugung. Insgesamt ist hier eine Leistung von 300 kW installiert.
Moderne Technik
Wie funktioniert das Flusswasserkraftwerk an den Oberen Mühlen in Bamberg? Um Beeinträchtigungen durch Treibgut zu vermeiden, ist dem Wassereinlauf eine Rechenreinigungsanlage vorgeschaltet. Diese befindet sich aus Gründen des Denkmalschutzes unterhalb des Wasserspiegels. Auf oberirdische technische Bauwerke wurde weitgehend verzichtet. Ein Wasservorhang verdeckt die Anlage zusätzlich. Daher wird nur ein Teil des Flusswassers durch die Turbinen geleitet. Deren Durchflussleistung beträgt 27,5 Kubikmeter pro Sekunde.
Seit der Inbetriebnahme im Jahr 1983 wird die Anlage zur Stromerzeugung genutzt. Im Jahr 2007 wurde das System um eine vierte Turbine erweitert. Die installierten Turbinen erzeugen Strom aus der Strömungsenergie der Regnitz. Ein Teil des erzeugten Stroms wird für die Versorgung der angrenzenden Gebäude genutzt, darüber hinaus wird Strom in das öffentliche Netz eingespeist.
Die Gesamtleistung der Anlage beträgt rund 300 kW. Angaben zu Erzeugungsmengen oder Emissionswirkungen beruhen auf den jeweils zugrunde liegenden technischen Berechnungen und Rahmenbedingungen.
Praktizierter Umweltschutz
Ein Wasserkraftwerk greift in die Gewässerstruktur ein und kann Auswirkungen auf die Lebensräume von Tieren haben. Daher wurden bei Planung und Betrieb des Flusswasserkraftwerks auch Anforderungen des Gewässerschutzes berücksichtigt. Ein besonderer Fokus lag dabei auf der Durchgängigkeit des Flusses für wandernde Fischarten.
Die im Kraftwerk eingesetzten Kaplan-Rohrturbinen sowie die Gestaltung der Rechenanlage wurden unter Berücksichtigung fischökologischer Anforderungen ausgewählt. Die Rechenanlage liegt unterhalb der Wasseroberfläche und ist so angeordnet, dass größere Fische alternative Wanderwege nutzen können.
Darüber hinaus beteiligte sich die Joseph-Stiftung an der Finanzierung des Fischpasses im Hainpark. Dieser ermöglicht es Fischen und anderen Wasserlebewesen, Bauwerke entlang des Flussverlaufs zu umgehen.
Die genannten Maßnahmen dienen dazu, die Durchgängigkeit des Gewässers zu verbessern und die Wanderbewegungen von Wasserlebewesen zu berücksichtigen. Die Stromerzeugung erfolgt auf Basis der Strömungsenergie der Regnitz.